Sandman Klaus Bösch
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Am Anfang
Zwei wichtige Dinge geschahen Anfang der Sechziger gleichzeitig:
Klaus Bösch wurde 1963 in Lustenau, Österreich geboren und ein paar Studenten in Kalifornien starteten ein Projekt für kinetische Kunst und gebaren die Urform des Sandbildes. Seit damals gibt es ein paar Leute weltweit, die Sandbilder kreieren. Der Sandmann ist derjenige, der diese Technik adaptierte und sie zum Ursprung zurückbrachte: Zur Kunst!

Kunst
Viele halten meine Werke für keine Kunst. Das mag daran liegen, dass ich mit meinen Einstellungen und Werken der Zeit zu weit voraus bin.
Noch ist viele Kunst hässlich, aggressiv und aufrührerisch. Das hatte in den letzten Dekaden durchaus seine Berechtigung. Ich bin überzeugt, dass Kunst wieder dahin gehen sollte, wo Sie einst hergekommen ist.
Kunst hatte früher mit Muse zu tun. Die 9 Musen, die als Symbole für die verschiedensten Richtungen der Kunst die Menschen durch schlichte Schönheit erfreuen, dürften ob manchen Auswüchsen Ihre Nasen rümpfen.
Und da Kunst letztendlich immer eine Sache der Definition ist, sei hier noch eine philosophische Erklärung meines Schaffens angefügt:

Sandbilder können die Welt erklären. Natürlich. Wie alle anderen Dinge auch. Das ist ein Teil des Zen. Aber ein Sandbild zeigt es erkennbar. Das sehe ich immer wieder an den Reaktionen von Menschen, die vor meinen Werken stehen.
Die Welt ändert sich mit jeder Drehung. Es wird nichts wirklich Neues geschaffen. Alles ist nur Modifikation von bereits existierenden Dingen. Aber wir alle lieben diese ‚Neuheiten’. Wir alle drehen unsere Köpfe, wenn sich etwas bewegt oder verändert, auch wenn wir ganz tief in uns wissen, dass die konservativen Ideen letztendlich von Bestand sind.
Es scheint also, dass Bewegung das wichtigste Element unseres Lebens und unserer Träume ist.
Das Medium Sandbild, welches ich als Künstler nütze, zeigt pure Realität: Bewegung in verschiedenen Rahmen und vor verschiedenen Hintergründen.
In meinen Arbeiten reflektiere ich Themen, die mich beschäftigen. Natürliche Prozesse und Farbenspiele inspirieren mich. All das versuche ich, in meine Kompositionen zu packen, um die Ästhetik und Philosophie des Betrachters zu erreichen. Oder um zum Träumen zu animieren. Deshalb darf man mich den Sandmann nennen.
Jedes Sandbild ist ein interaktives Stück Kunst. Es ist für sich selber interaktiv, indem es immer wieder neue Landschaften oder Fantasie-Strukturen bildet. Jeder Betrachter wird zum Akteur oder wenn man so will zum Künstler, so bald er am Bild dreht und damit das Spiel wiederholt, die Welt neu zu arrangieren.
Im übrigen ist mein gesamtes Leben eine Patchwork aus Kunst. Ich lebe voll und ganz meine Arbeit.

Sandmann’s Kommentar
1983 war ich - wie viele 20 jährige Jungs – auf der Suche nach dem, was mein Leben ausfüllt und meine Kreativität zum Ausdruck bringen kann. Also fing ich an zu malen. Mit Feder, Tempera und Öl – Autodidakt – es befriedigte mich nicht. Als nächstes lernte ich Gitarre spielen und singen. Mit ein paar Freunden gruppierte sich eine Band und 85 spielten wir unser erstes Konzert mit Beat aus den 60ern. Das machte Spaß! Ich liebte es. Leider war es der einzige Gig für mich, weil wieder zwei wichtige Dinge gleichzeitig passierten: Ich verliebte mich in meine Frau Monika und mein Freund Werner Pieper reichte mir eines der damals erhältlichen Sandbilder mit dem Kommentar: ‚Klaus, ich glaube Du wirst das lieben’. Er hatte recht, - und hat immer noch. Das war Anfang 1986.
Im Februar 88 gründete ich meine Firma und im Mai 88 wurde unser Sohn Sanjay geboren.
Was für ein Wechsel im Leben eines jungen Mannes.

Die Rainbow Vision
Als ich 1986 als Großhändler startete, war das Angebot der beiden Sandbilder-Hersteller, die ich kannte eher spärlich: Schwarzer und weißer Sand und zwei verschiedene Wasserfarben. Als kreativer Mensch hatte ich die Vision von der Möglichkeit, Sandmischungen in alle Farben des Regenbogens zu machen. Das war meine ‚Rainbow Vision’ welche mich veranlasste, zu suchen, zu forschen und Tests zu machen. Im Februar 88 lief die erste 500 Stk. Serie von kleinen und wenigen größeren Formaten vom Stapel. Der Himmel schickte mir Rico, ein Freund aus der Schweiz, der meine Werke ebenso liebte und deshalb die meisten davon verkaufte. Er sicherte mein Überleben im ersten Jahr.
Letztendlich dauerte das Suchen und Testen 8 Jahre, bis ich die Materialien hatte für Sandmischungen in allen Farben. Natürlich bin ich immer noch ständig erfolgreich auf der Suche.

Die Entwicklung
Ich startete dieses ‚Geschäft’ mit sehr geringem Wissen. Glücklicherweise hatte ich die Handelsschule besucht, das half ganz gut. Jedoch lernt da keiner wirklich über Produkt-Management, Marketing, Werbung, Vertrieb, Geschäftsbeziehungen, Finanzen und was noch alles nötig ist für ein erfolgreiches Geschäft. Deshalb testete mich das Leben mehr als dass ich es jemandem wünschen würde und ich stapfte in jede nur mögliche Unannehmlichkeit, dank dem Schicksal und meiner Naivität. Beide schliffen mich wie einen Stein (möglicherweise haben sie mich zu Sand zermalmt…). Und oft genug waren es meine Träume oder ein guter Geist, die mir die wichtigen Details vorführten, um das Ruder im rechten Moment zu drehen.
Am Anfang dachte ich, dass ich diesen Job für drei, vier Jahre machen würde. Aber es ging weiter. In den frühen Neunzigern konzentrierte ich meine Kreativität auf spezielle Ideen, Formate, Rahmen und Lacktechniken. Es dauerte nicht lange, bis ich die erste Ausstellung in einer Kunstgalerie machen durfte. Nach wenigen Erfahrungen in Kunst erkannte ich, dass mein Kapital nicht ausreichte, um in diesem Sektor zu Erfolg zu kommen. Außerdem sah ich ‚Hungertuch’ nicht als mein Ziel. Und meine Kreativität ist viel stärker, wenn es mir gut geht.
Also konzentrierte ich mich auf kommerzielle Serien mit dem Wissen, dass ich eine Familie und ein Haus zu erhalten habe.

Der Feinschliff
Diese Entscheidung half mir, ganz wesentliche Details über Sandbilder zu entdecken. Ich bin froh, dass ich mir von Anfang an alles selber angeeignet habe. Rückblickend sehe ich es wie eine wissenschaftliche Forschung.
Heute kann ich sagen, dass ich das Meiste weiß über Sand, Sandmischungen, Wasseraufbereitung und Haltbarkeit desselben. Das hält mich natürlich nicht davon ab, weiter zu forschen und zu lernen.
All dieses Wissen in Kombination mit dem guten Gefühl für Design und dem Augenmerk auf technischen Lösungen, wie Wandhalterungen oder nötige Zubehör-Teile erlauben es mir zu sagen: Wenn es auf diesem Globus einen gibt, der die Spitzenklasse der Sandbilder machen kann, dann bin ich es, Sandmann Klaus Bösch aus Lustenau, Österreich.

Nächste Herausforderung
2004 kreierte ich den ‚Screenie’. Die Aufgabe war es, ein Sandbild zu entwickeln, das immer noch das gewisse Etwas hat, aber in größeren Mengen und zu geringem Preis machbar ist. Die amerikanische Pop-Art Ikone Andy Warhol kam mir in den Sinn und Screenie ist mein Tribut an ihn, aussehend wie ein 70er-Jahr Fernsehschirm.
Das brachte mich zum Punkt wo ich die Spitze meines kommerziellen Werkens erkannte. Logischerweise wurde damit ein Richtungswechsel eingeleitet.
Wo war die nächste Herausforderung? Es ist der alte Pfad, den ich Mitte der Neunziger verlassen hatte. Ich begann mich wieder auf Kunst-Stücke zurück zu besinnen. Selbstverständlich sind meine Art-Serien auch kleine Kunstwerke. Sie sind alle in meinem Atelier in ansprechenden Designs von Hand gemacht.

Ziele
In diesen vielen Jahren füllte ich einen Ordner mit Dutzenden von Ideen, für Leute bestimmt, die sich ein ganz besonderes Sand-Kunstwerk leisten wollen und können, vom kleinen kapriziösen Stück bis zum Arrangement, das eine ganze Wand füllt oder z.B. das Prachtstück in einer Lobby.
Meine Ziele dafür sind weltweit. Es gibt überall Leute, die etwas übrig haben für Kunstwerke, die das Gemüt erheben und das Auge erfreuen.
Es geht nur darum, es diese Leute wissen zu lassen, dass es Sandbild-Kunst gibt.
2007 steckte ich meinen neuen 10-Jahres-Plan: 2017  möchte ich so weit sein, dass ich von 13 kreierten Werken pro Jahr leben kann – je ein Stück pro Mondphase.

Ausstellungen
1990 – 1992 einige kleine Ausstellungen in Österreich und Schweiz, 1993 in Bregenz (A) mit Bericht im ORF, Galerie Boucherie in Uetikon (CH), 1994 Innsbruck (A), und einige unbedeutende Ausstellungen in der Schweiz, 1995 im Palast in Hohenems (A), 19996 in London, ab 1996 Rückzug von Kunstausstellungen, Konzentration auf kommerzielle Reproduktion meiner Designs, Forschung an neuen Techniken für kreatives Schaffen, einige Industrie-Designs, 2007 neues 10-Jahres Ziel gesetzt: Zurück zur Kunst!